Capoeira Angola und Regional – die Geschichte der Kampfkunst Brasiliens

Die traditionelle Kampfkunst aus Brasilien erfreut sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit. In vielen Städten schießen Capoeira-Gruppen wie Pilze aus dem Boden und an vielen Unis gehört Capoeira schon fast selbstverständlich in jeden Hochschulsport-Kalender. Aber was ist Capoeira eigentlich und was unterscheidet die tanzende Kampfkunst von andern Kampfsportarten?

Kampfkunst Brasiliens: Capoeira Angola und Regional

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Rhythmische Kampfkunst

Capoeira ist eine rhythmisch praktizierte brasilianische Kampfkunst, in der viele Techniken und Bewegungselemente unterschiedlichster Herkunft zusammenfließen: Bewegungen, die an asiatische Kampfkünste erinnern, Elemente afrikanischer Tänze und eine atemberaubende Akrobatik. Während eines Kampfes bilden die Capoeiristas einen Kreis, die so genannte „Roda“, in der immer zwei Opponenten gegen einander treten und ein – in aller Regel – spielerisches Duell austragen. Dabei sind die Kontrahenten zugleich Gegner und Partner in einem fließenden Austausch von Schlägen und Ausweichbewegungen. Der Kampf, oder das Spiel, wirkt beinahe wie ein Tanz. Die Teilnehmer des Kreises begleiten das Spiel mit rhythmischen Klängen. Musiker und Spieler wechseln einander ab, so dass alle Roda-Teilnehmer sich ab, so dass jeder Roda-Teilnehmer in Bewegung kommt.

Der Reiz der vom Capoeira ausgeht, ist einerseits die Ästhetik des fließenden Spiels für die Zuschauer, andererseits die Mischung Kraft und Beweglichkeit für diejenigen, die den Sport betreiben. Capoeira ist sowohl in seiner Ursprungsform „Capoeira Angola“ als auch in der schnelleren Variante „Capoeira Regional“ ein effektives Ganzkörpertraining. Dank vieler „Stützübungen“, die auf den Händen ausgeführt werden, wie auch zahlreicher Trittkombinationen werden Torso- und Beinmuskulatur gleichermaßen trainiert.

Die Entstehungsgeschichte

Wo und wie genau Capoeira tatsächlich entstanden ist lässt sich heute nur noch schwer rekonstruieren. Die ältesten schriftlichen Belege ihrer Existenz liefern Polizeiberichte aus dem 19. Jahrhundert, ein Zeugnis für die Unterdrückung und Verfolgung der Capoeiristas durch die Staatsgewalt. Das Fehlen schriftlicher Quellen lässt viel Raum für allerlei Spekulationen und mythologische Erzählungen über die Entstehungsgeschichte von Capoeira Angola und Capoeira Regional.

Fakt ist, die Capoeristas galten als äußerst tapfere und respektierte Kämpfer und waren als eine Quelle von Unordnung und Aufruhr lange Zeit das Ziel staatlicher Verfolgung. Sie wurden von der Obrigkeit zugleich jedoch auch eingesetzt, um politische Gegner einzuschüchtern. Während des 19. Jahrhunderts waren sie in Rio de Janeiro in Banden – den so genannten „Maltas“ – organisiert. Aus diesem Grund wurde Capoeira in der öffentlichen Wahrnehmung lange mit Unwesen und Vagabundentum verbunden. Mit Hilfe harter Maßnahmen gelang es der Polizei zu Beginn des 20. Jahrhunderts sogar, das Phänomen Capoeira komplett aus den Straßen von Salvador, der alten Hauptstadt Brasiliens, zu verbannen.

Der afrikanische Ursprung der Kampfkunst lässt sich jedoch nicht leugnen, der sichere Beleg hierfür ist das rhythmische Element. Der Rhythmus war der Begleiter aller Arbeitsaktivitäten der Afrikaner – in der alten wie auch der neuen Welt – in die sie als Sklaven verkauft wurden, da die südamerikanischen Ureinwohner, die Indios, in Gefangenschaft nicht lange überlebten und als Sklaven auf den großen Plantagen daher nicht einzusetzen waren. Der Rhythmus der Schlaginstrumente war die einzige gemeinsame Sprache der afrikanischen Sklaven Südamerikas, da sie aus unterschiedlichen afrikanischen Stammesgebieten kamen.

Capoeira Angola und Capoeira Regional

Capoeira: Berimbau

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Die älteste Capoeira Version ist das sogenannte „Capoeira Angola“. Es zeichnet sich durch relative Langsamkeit aus, die mitunter als Trägheit missverstanden wird. Dabei ist es sehr schwer die langsamen Bewegungen technisch einwandfrei auszuführen und dann plötzlich aus der Bewegungssequenz heraus blitzschnell anzugreifen. Die später entstandene Weiterentwicklung „Capoeira Regional“, zeichnet sich im Gegensatz zum Capoeira Angola durch Schnelligkeit und Bewegungen aus anderen Kampfsportarten aus.

Capoeira Regional ist dank seiner Schnelligkeit und der bunt gekleideten Capoeiristas für viele Zuschauer unterhaltsamer, das bedeutet aber keineswegs, dass es schwieriger zu praktizieren ist, als das langsam ausgeführte Capoeira Angola. Eine relativ neue Mischform beider Arten ist das „Capoeira Contemporânea“, dass es zwar beide Capoeira-Richtungen verbindet aber dabei keine der beiden wirklich wiedergibt.

Johanna Südamerika

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