Swasiland: Incwala, Umhlanga und Polygamie

Königreich Swasiland – das einst aufstrebende Land Afrikas wurde von seinem Alleinherrscher heruntergewirtschaftet und ist mittlerweile so gut wie bankrott. Eine Reise in den Binnenstaat zwischen Südafrika und Mosambik offenbart imposante Zeremonien, dekadente Paläste und eine arme Bevölkerung.

In Swasiland wird noch in Polygamie gelebt.

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Purer Luxus und bittere Armut

Swasiland hat durchaus Potential: Das Land besitzt schöne Landschaften und fruchtbaren Boden, der Staat ist frei von Bürgerkriegen und die Analphabetenquote ist für afrikanische Verhältnisse sehr gering. Auch wenn der Tourismus nicht besonders ausgebaut ist, so lässt sich hier dennoch als Reisender ein schönes Stück Afrika mit urtümlich Bräuchen erleben – mit gastfreundlicher Bevölkerung und geringer Kriminalität gegenüber Touristen. Doch was der ehemalige König Sobhuza II. in seinen 61 Jahren Regierungszeit aufgebaut hat, wird von seinem Sohn König Mswati III. hemmungslos vernachlässigt. Der letzte absolute Monarch Afrikas regiert hier fast völlig uneingeschränkt, schwelgt in Luxus, baut sich schillernde Paläste, fährt deutsche Luxuswagen und verfrachtet protestierende Studenten einfach in die Gefängnisse. Mittlerweile gehört das Land zu den ärmsten Staaten der Welt, ist hoch verschuldet und besitzt eine erschreckend hohe Aids Quote. Währenddessen vergnügt sich der König mit seinen zahlreichen Frauen, 13 sollen es wohl zur Zeit sein. Das Land pflegt noch immer einige afrikanische Bräuche, die Polygamie gehört vor allem bei den hochrangigen Männern dazu. Vorgänger Sobhuza hatte sogar über 70 Frauen und vermutlich über 1.000 Enkel!

Umhlanga: Tanz der halbnackten Frauen

Eine gute Möglichkeit für den König, sich einen neue Ehefrau auszusuchen, bietet das traditionelle Umhlanga, übersetzt „Schilfrohrtanz“ – ein Fest das Ende August und Anfang September stattfindet. Zehntausende ledige und kinderlose junge Frauen tanzen und singen mit zuvor geschnittenen Schilfrohren vor der königlichen Familie, Schaulustigen, Touristen und anderen Gästen des Landes. Das Schilf der leicht bekleideten und barbusigen Frauen soll laut dem alten Swasi und Zulu Brauch zum Ausbessern der Dächer genutzt werden, doch vor allem dient die Feier dem König zur Brautschau. Auch ein anderes altes Ritual wird vom König initiiert: Beim Incwala, dem „Fest der ersten Früchte“, werden die Geister der Vorfahren um Regen, Wohlstand und Frieden gebeten. Der Herrscher Swasilands und seine Untertanen, Frauen in festlichen Kleidern und traditionell gekleidete Stammeskrieger, tanzen dabei und führen uralte Zeremonien auf um den Geistern zu gefallen. Anschließend verspeist der König feierlich den ersten geernteten Kürbis. Die zahlreichen Bräuche und Rituale mit den farbenfrohen Kostümen sind untrennbar mit der Kultur Swasilands verbunden und bieten ein beeindruckendes Schauspiel.

Swasilands Zukunft ist ungewiss. Afrikanische Mädchen mit einem "Hope"-Schild in der Hand.

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Swasiland: Zukunft ungewiss

Die wichtigsten Rituale finden in oder nahe Lobamba statt, Sitz der swasiländischen Nationalversammlung. Die Hauptstadt ist allerdings das im Westen des Landes gelegene Mbabane, in dem rund 100.000 Menschen der etwa 1,3 Millionen Einwohner Swasilands leben. Neben der ersten Amtssprache Siswati wird in dem Land auch sehr viel Englisch gesprochen. Das Gebiet gehörte lange Zeit zum Vereinigten Königreich, wurde jedoch am 06. September 1968 in die Unabhängigkeit entlassen. Nach anfänglichem Aufschwung sieht die momentane Lage jedoch düster aus. Es bleibt also spannend in Afrika.

Christopher Afrika

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